Polnische Delegation erkundet Know-how aus Deutschland

Anlässlich der ICCA 2015 besichtigten ausgewählte polnische Vertreter in Hannover und Umgebung Best Practice-Beispiele für lokalen Klimaschutz und nachhaltige Stadtplanung. Dies war der Auftakt zu adelphis neuem deutsch-polnischen Kooperationsprojekt zur emissionsarmen Wirtschaft in Städten.

Der Raum Hannover ist einer der deutschen Vorreiter im Klimaschutz. Da polnische  Kommunen verstärkt nach Möglichkeiten suchen, eine Niedrigemissionswirtschaft auf lokaler Ebene aufzubauen, bot die International Conference on Climate Action (ICCA 2015) im Rahmen des neuen Projekts von adelphi die Gelegenheit für einen ersten Austausch mit Vertretern deutscher Kommunen. Am 30. September 2015 führte adelphi rund zwanzig polnische Besucher durch vier Projekte in Hannover und Umgebung, wo verschiedenste ehrgeizige und dennoch praktikable Formen des Klimaschutzes erkundet wurden.

Studienreise führt polnische Delegation zu vier beispielhaften Klimaschutzprojekten

Die Reise begann mit der Präsentation des Masterplans für die Region Hannover „100 % für den Klimaschutz“. Aufgelegt im Jahr 2012 im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative (NKI) umfasst der Masterplan eine umfassende Strategie zur Reduzierung von Treibhausgas-Emissionen um 95 Prozent und zur Halbierung des Energieverbrauchs bis 2050, jeweils gegenüber dem Stand von 1990. Zwar spielte die Unterstützung des Bundes für die NKI bei der Realisierung dieses ambitionierten Vorhabens eine wichtige Rolle, doch betonte die Präsentation auch andere Erfolgsfaktoren, die ebenso in Polen greifen können. Dazu gehören unter anderem die im Masterplan angelegten partizipatorischen Prozesse, die Förderrichtlinien für die Mitwirkung von Bürgern und Unternehmen der Region am lokalen Klimaschutz sowie die Nutzung der Raumplanung als Instrument der Vereinheitlichung im Klimaschutz.

Die Gruppe besichtigte ferner das Energie- und Umweltzentrum in Springe-Eldagsen (e.u.[z.]), das Kurse für ökologisches Bauen und Modernisieren anbietet und vor Ort die Realisierungsmöglichkeiten demonstriert – ein Thema, das für polnische Kommunen, wo zurzeit viele derartige Projekte geplant oder durchgeführt werden, von besonderem Interesse ist.

Ausbau erneuerbarer Energien und Beteiligung der lokalen Bevölkerung lassen sich verbinden

Beim Modellprojekt Hannover-Kronsberg erkundete die polnische Delegation, wie ein ökologischer Stadtteil von Grund auf neu geschaffen werden kann, wenn man Raumplanung und Ressourcen klug einsetzt. Eine hohe Energieeffizienz ist für Investoren wie für Mieter interessant. Mit Hilfe innovativer Finanzierungsmechanismen wurde gewährleistet, dass ein großer Anteil an Wohnungen von einkommensschwachen Haushalten genutzt und ökologisches Wohnen somit für alle verfügbar wird.

Der Ausbau erneuerbarer Energien und die Beteiligung der lokalen Bevölkerung lassen sich verbinden. Dies wurde von der Energiegenossenschaft Lehrte-Sehnde eG demonstriert. Als Eigner und Betreiber von Photovoltaikanlagen folgt die Genossenschaft einem höchst demokratischen Prinzip: Mitglied kann jeder werden, der in Lehrte oder Sehnde lebt oder arbeitet, wobei jedes Mitglied ungeachtet der Höhe seines Anteils über eine Stimme verfügt. Unterstützt durch die Beratung der örtlichen Genossenschaftsbank wurde die Energiegenossenschaft ein erfolgreiches Vorhaben mit 400 Mitgliedern und einer installierten Leistung von nahezu 10.000 kWp PV. Die Genossenschaft bildete die letzte Station der Studienreise.

Im Anschluss nahm die polnische Delegation am 2. Oktober an einem speziellen Workshop im Rahmen der ICCA 2015 teil. Dabei tauschten Vertreter von drei europäischen Städtepartnerschaften (Deutschland-Frankreich und Deutschland-Polen) ihre Erfahrungen aus und erörterten die Vorteile, Hindernisse und Erfolgsfaktoren einer solchen Zusammenarbeit im kommunalen Klimaschutz.

Diese Delegationsreise war die erste einer Reihe, die im Rahmen des deutsch-polnischen Kooperationsprojektes zum Klimaschutz und zur Luftreinhaltung in Städten stattfand. adelphi leitet ein deutsch-polnisches Projektkonsortium, die maßgeschneiderte Beratungsleistungen sowie Dialogformate für Kommunen entwickelt; diese sollen die Grundlagen für neue Partnerschaften und ihre weitere strategische Entwicklung schaffen.

Die gesamte Dokumentation finden Sie unter:

Das Projekt wird vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) mit Mitteln des Beratungshilfeprogramms (BHP) für den Umweltschutz in den Staaten Mittel- und Osteuropas, des Kaukasus und Zentralasiens sowie weiteren an die Europäische Union angrenzenden Staaten gefördert und vom BMUB und dem Umweltbundesamt (UBA) fachlich begleitet.